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Mit Schneidbrenner und Muskelkraft: Die einzige Oberbauschweißerin Mitteldeutschlands meistert Gleisarbeiten

01. Juni 2026

Mit Schneidbrenner und Ehrgeiz sorgt eine Frau für sichere Gleise

Halberstadt — Katja Winter zieht schwere Handschuhe an, greift den Schneidbrenner und arbeitet konzentriert am Ende eines Schienenstücks. Was für viele noch als klassische Männerdomäne gilt, ist für die 36-Jährige aus Güsten Alltag geworden. Als einzige Oberbauschweißerin der Deutschen Bahn in Mitteldeutschland verschweißt sie Schienen, schleift Nähte und sorgt dafür, dass Züge sicher rollen.

Ihr Weg dorthin war kein direkter: Früher arbeitete sie in einer Bibliothek, später im Objektschutz. Der Wechsel zur Deutschen Bahn kam als Quereinstieg, angestoßen durch das Gespräch mit ihrem Mann, der seit zehn Jahren ebenfalls Oberbauschweißer ist. «Ich war auf der Suche nach was Neuem», sagt sie, «und ich wusste: Es wird anstrengend.»

Der Job verlangt körperliche Kraft, Präzision und Ausdauer. Ob Hitze oder Regen, ob Hochgeschwindigkeitsstrecke oder Rangiergleis wie Gleis 82 am Bahnhof Halberstadt, die Arbeit muss erledigt werden. «Man kann sich das vorstellen als Ganzkörper-Workout», sagt Katja Winter mit einem Schmunzeln. «Arme, Rücken, Beine, Po – alles wird beansprucht. Aber man gewöhnt sich dran.»

Als einzige Frau im Team musste sie beweisen, dass sie dieselbe Leistung bringt wie ihre männlichen Kollegen. Das motivierte sie zusätzlich. Ihren ersten Lehrgang hat sie erfolgreich abgeschlossen und darf inzwischen praktisch an den Gleisen arbeiten. Die Kollegen geben Tipps, die Stimmung beschreibt sie als unterstützend.

Bei der Deutschen Bahn ist rund ein Viertel der Belegschaft weiblich; in technischen Berufen sind Frauen jedoch noch deutlich unterrepräsentiert. René Jesgarz, Leiter Instandsetzung Oberbau bei DB InfraGO AG Region Südost, sagt, er sei stolz, dass Katja nun in seinem Bereich arbeitet, und er sei überzeugt, dass sie ihren Weg machen werde.

Auch privat gibt es Rückhalt: Ihr Ehemann Marcel, ebenfalls Oberbauschweißer, begleitet sie mit Rat und Erfahrung. «Ich habe auch mal langsam angefangen», sagt er. Gemeinsam arbeiten sie gelegentlich im Team, was beiden zusagt. Katja plant weitere Aufbaulehrgänge, denn je höher die Qualifikation, desto enger die Zeitvorgaben bei gesperrten Strecken.

Am Ende eines Einsatztages hat sie die Schweißnaht grob geschliffen, die schweren Handschuhe ausgezogen und steht sichtbar zufrieden am Gleis. Für sie gibt es keine klassischen Frauen- oder Männerberufe: «Warum nicht mal eine Frau als Oberbauschweißerin», fragt sie und ermutigt andere Frauen, Neues auszuprobieren. «Dann würde ich raten: probier’s aus. Warum nicht? Immer los.»

Der Bericht stützt eine Nachricht von: mdr.de
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