Allein auf den Gleisen: Wie eine Oberbauschweißerin Mitteldeutschland sicherer macht
Als einzige Oberbauschweißerin sichert sie Mitteldeutschlands Gleise
Mit schweren Handschuhen greift Katja Winter zum Schneidbrenner, entfernt ein beschädigtes Schienenstück und bereitet zwei Enden fürs Verschweißen vor. Die 36-Jährige aus Güsten hat vor kurzem einen ungewöhnlichen Schritt gewagt: Sie ist Quereinsteigerin bei der Deutschen Bahn und arbeitet als einzige Oberbauschweißerin in ganz Mitteldeutschland. Am Gleis 82 am Bahnhof Halberstadt erledigt sie bei Hitze wie bei Regen die Arbeit, die sichere Züge erst möglich macht.
Ein körperlicher Job und ein bewusster Neuanfang
Schweißen im Oberbau verlangt körperliche Kraft und Ausdauer. Katja Winter beschreibt den Alltag als «ein Ganzkörper-Workout»: Arme, Rücken, Beine und Rumpf werden gleichmäßig gefordert. Geblieben ist ihre Gelassenheit: Nach Ausbildungen zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste und Jahren im Objektschutz suchte sie eine neue Herausforderung. Der Tipp kam aus dem Familienkreis – ihr Mann arbeitet seit einem Jahrzehnt als Oberbauschweißer. Er wusste, worauf sie sich einlässt, und unterstützte den Schritt.
Gelerntes neu einsetzen
Die Deutsche Bahn setzt auf Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger; jährlich werden durchschnittlich rund 4 000 Neueinstellungen vorgenommen. Trotzdem sind Frauen in technischen Bahnberufen noch selten. Rund ein Viertel der Belegschaft bei der Bahn ist weiblich, doch im Bereich Oberbau ist Katja Winter eine Ausnahme. Sie bestand ihren ersten Lehrgang mit Bravour und übernimmt nun Verantwortung auf der Baustelle. Kolleginnen und Kollegen geben Tipps, die Stimmung im Team sei geprägt von Respekt und sachlichem Austausch.
Karriere mit Tempo
Katja Winter plant weiter: Aufbaulehrgänge sollen folgen, und mit wachsender Erfahrung steigen auch die Anforderungen an die Präzision und Geschwindigkeit der Arbeit. Besonders bei Streckensperrungen zählt jede Minute. Ihr Ehemann erinnert daran, dass Routine Zeit braucht: «Ich habe auch mal langsam angefangen», sagt er, und fügt hinzu, dass das gemeinsame Arbeiten im Team für beide eine Bereicherung ist.
Ein Aufruf zum Ausprobieren
Für Katja Winter ist ihr Weg kein Statement gegen Rollenbilder, sondern ein Aufruf zur Selbstverwirklichung. Sie sieht sich nicht unbedingt als Vorbild, doch ihr Rat an junge Frauen ist klar: Ausprobieren lohnt sich. Der Schichtwechsel an Gleis 82 ist vielleicht nur ein kleiner Abschnitt der großen Infrastruktur, aber er steht beispielhaft für veränderte Berufsbilder und für die Möglichkeit, auch in männerdominierten Feldern Fuß zu fassen.

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