Korridorsanierungen zur Halbzeit: Fortschritt, Umleitungen und kritische Engpässe
Halbzeitbilanz: Großprojekte laufen überwiegend planmäßig
Die großen Korridorsanierungen in Deutschland erreichen Mitte 2026 die Halbzeit. DB InfraGO zieht für mehrere laufende Baustellen positive Zwischenbilanzen: Auf vielen Abschnitten liegen Arbeiten an Gleis, Oberleitung und Bahnhöfen im Zeitplan, Ersatzverkehre funktionieren größtenteils stabil. Zugleich wachsen Hinweise auf strukturelle Probleme, vor allem für den Schienengüterverkehr.
Arbeiten zwischen Hagen und Köln
Im Ruhrgebiet und Rheinland haben die Maßnahmen zwischen Hagen, Wuppertal und Köln seit dem 6. Februar 2026 begonnen. Bis Juli sollen auf 65 Kilometern Gleise und Oberbau erneuert, Weichen und Oberleitungen ersetzt und auf rund vier Kilometern Schallschutz errichtet werden. Für Pendler ist wichtig: Der Schienenersatzverkehr gilt als stabil, täglich sind bis zu 200 Busse unterwegs. Wuppertal ist nur vorübergehend vom Schienenverkehr abgehängt, die nächste Vollsperrung der S-Bahn-Strecke zwischen Hagen und Wuppertal ist vom 15. Juni bis 12. Juli 2026 geplant.
Halbzeit in der Oberpfalz und Umleitungen
Auch auf der Achse Nürnberg – Regensburg war im April Halbzeit. Seit Februar wurden rund 90 Kilometer Gleis und 80 Kilometer Oberleitung erneuert; 20 Stationen wurden modernisiert. Ein Schwerpunkt ist die Stabilisierung des 37 Meter hohen Deininger Damms. Der Regionalverkehr wird großteils durch Busse ersetzt, der Fernverkehr weicht um: Einige ICE-Züge fahren zwischen Nürnberg und Wien über Ingolstadt und die Donautalbahn, andere Verbindungen werden über München und Salzburg umgeleitet. DB Cargo setzt für Teile des Einzelwagenverkehrs auf Dieselvorspann und Umleitungen über Schwandorf und Amberg.
Ausblick: Obertraubling – Passau und weitere Sperrphasen
Die nächste große Phase beginnt mit der Generalsanierung Obertraubling – Passau ab 14. Juni 2026. Für rund 1,3 Milliarden Euro sollen 116 Kilometer Gleis, 94 Weichen und 60 Kilometer Oberleitung erneuert sowie acht Bahnhöfe barrierefrei modernisiert werden. Bauphasen wechseln zwischen Totalsperrung und eingleisigen Sperrungen, Ersatzbusse ergänzen den Nahverkehr, im Fernverkehr werden Verstärkungen über die Achse München – Wien erwartet.
Rechter Rhein: Digitale Vermessung trifft Kritik
Auf dem Korridor Rechter Rhein zwischen Troisdorf und Wiesbaden setzt DB InfraGO auf moderne Vermessungstechniken wie Drohnen, Georadar und Rucksack-Scanner, um Planungs- und Bauabläufe zu beschleunigen. Trotz dieser technischen Fortschritte kritisiert das Bündnis DIE GÜTERBAHNEN die mangelnde Planungssicherheit: Nach Angaben der Branche ist die zugesagte Baufreiheit nach Abschluss der Arbeiten nicht verlässlich, zudem wird der Verzicht auf das europäische Zugleitsystem ETCS bemängelt. Für die Inbetriebnahme neuer Stellwerkstechnik ist bereits eine weitere Sperrung für Juli 2027 vorgesehen, was die Umleitungsplanung erneut belasten könnte.
Folgen für den Güterverkehr
Insbesondere der Güterverkehr leidet unter den Einschränkungen. Nicht alle Züge können über die linke Rheinstrecke geleitet werden, viele werden über die Sieg- und Dillstrecke umgeleitet, wo eingleisige Abschnitte und Tunnelengpässe zu erheblichen Verzögerungen führen. Branchenvertreter sprechen von Fahrzeitverlängerungen von drei bis zu sieben Stunden sowie einem deutlich höheren Bedarf an Personal und Energie. Die Bundesnetzagentur hatte bereits Ende 2025 auf Defizite bei Planungssicherheit und Kommunikation hingewiesen.
Was bleibt zu beobachten
In den kommenden Monaten entscheidet sich, ob die Ersatzkonzepte in der Praxis halten: Die Baustellen zwischen Hagen und Köln sowie Nürnberg und Regensburg gelten aktuell als planmäßig, doch drohende zusätzliche Sperrungen für Stellwerkstechnik und die aus Sicht der Güterbahnen ungenügende Abstimmung bei Umleitungen könnten den Verkehr erneut belasten. Für Pendler bedeutet das meist verlässliche Ersatzverkehre, für die Güterzüge bleiben Engpässe und Unsicherheiten.

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