newsbezeichnung

Italo will deutsches Fernnetz erobern — Deutsche Bahn warnt vor Engpässen für Millionen Pendler

07. Juni 2026

Italo plant großflächigen Einstieg ab 2028 und Deutsche Bahn sieht Gefahr für Regionalverkehr

Der italienische Hochgeschwindigkeitsanbieter Italo kündigt einen ambitionierten Schritt auf den deutschen Fernverkehr an: Ab 2028 will das Unternehmen mit rund 30 Zügen stündliche Verbindungen zwischen wichtigen Metropolen anbieten und damit auf Strecken zwischen München, Frankfurt, Köln und Dortmund direkt mit der Deutschen Bahn konkurrieren. München–Berlin und München–Hamburg sollen dem Plan zufolge im Zwei-Stunden-Takt bedient werden.

Die Pläne lösen bei der Deutschen Bahn Besorgnis aus. Harmen van Zijderveld, Vorstand für Regionalverkehr bei der Deutschen Bahn, warnt vor konkreten Folgen für Pendler: «Bahnknoten wie München, Berlin, Hamburg oder Frankfurt sind schon jetzt massiv überlastet. Zusätzlicher Fernverkehr würde nach den bestehenden Vorrangregeln dazu führen, dass der Regionalverkehr ausgedünnt werden muss oder es vermehrt zu Verspätungen und verpassten Anschlüssen kommt.» Die Deutsche Bahn verweist darauf, dass die sieben großen Knotenpunkte in Hamburg, Berlin, Hannover, Köln, Frankfurt, München und Mannheim bereits mit mehr als 120 Prozent Auslastung fahren.

Die DB transportiert täglich fast fünf Millionen Menschen im Regionalverkehr. Van Zijderveld betont, dass diese Fahrgäste im Alltag auf verlässliche Anschlüsse angewiesen seien: «Mehr Wettbewerb im Fernverkehr mit der Brechstange wird dazu führen, dass Millionen Pendler darunter leiden.»

Die Deutsche Bahn fordert eine abgestufte Einführung neuer Anbieter und verlangt eine Übergangszeit von mindestens fünf Jahren, um das Netz und die Trassenvergabe anzupassen. Van Zijderveld verweist auf die bis 2031 umzusetzen-de EU-Kapazitätsverordnung als Gelegenheit, den Schienenverkehr so zu ordnen, dass alle Reisenden profitieren.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder begrüßt hingegen Wettbewerb im Fernverkehr und sieht darin ein Zeichen des Vertrauens in die Schiene: «Wettbewerb belebt das Geschäft und zeigt, dass man an die Schiene in Deutschland glaubt», sagte der CDU-Politiker. Bislang hält die Deutsche Bahn rund 95 Prozent des Fernverkehrsmarkts.

Entscheidend wird eine baldige Klärung durch die Bundesnetzagentur, die noch in diesem Monat eine Grundsatzentscheidung zum möglichen Markteintritt von Italo erwartet. Letztlich liegt die Vergabe von Trassen bei der DB InfraGo AG, einer hundertprozentigen Tochter der Deutschen Bahn, was die Debatte um Fairness und infrastrukturelle Kapazitäten weiter anheizt.

Für Millionen Pendler in Städten wie München, Berlin, Hamburg, Frankfurt, Köln und Dortmund steht damit viel auf dem Spiel: Verbesserte Fernverkehrsangebote könnten mehr Wahlmöglichkeiten bringen, zugleich drohen aber spürbare Einschnitte im Regionalverkehr, wenn Kapazitäten nicht klar und gerecht verteilt werden.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: businessinsider.de
Copyright © 2000 - 2026 | 1A Infosysteme GmbH | Content by: 1a-sites-jobs - Veröffentlichung: 11.06.2026  - C49520 - [Bildnachweis]