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Weichen am Isartor: Warum die Stammstrecke für Tage stillgelegt ist

09. April 2026

Stammstrecke weitgehend gesperrt wegen Austausch von Weichen und Gleisbauarbeiten

München – In einem weithin unsichtbaren Kraftakt erneuern Arbeiter unter der Erde wichtige Bauteile der S-Bahn: Westlich des Bahnhofs Isartor werden vier Weichen ersetzt, rund 350 Meter Schiene verlegt, 650 Schwellen eingebaut und etwa 1500 Tonnen Schotter bewegt. Was für Fahrgäste nach Kleinarbeit klingt, ist ein logistischer und sicherheitstechnischer Meilenstein, der die Stammstrecke seit Beginn der Osterferien bis Montag, 4 Uhr, praktisch lahmlegt.

Nur die Linien S2 und S3 verkehren zumindest bis zum Stachus. Die S-Bahnen aus dem Osten enden derzeit am Ostbahnhof. Für Pendler bedeutet das Ausweichverkehre und geänderte Fahrpläne, für die Bahn eine komplexe Montageleistung mitten im Tunnel.

Weichenmontage vor Ort erfordert extremen Aufwand

Die aus dem bahneigenen Werk in Witten/Westfalen gelieferten Weichen wiegen einzeln 25 Tonnen und lassen sich nicht als Ganzes in den engen Tunnel transportieren. Deshalb werden die Bauteile vor Ort zusammengesetzt: Schiene für Schiene, Schwelle für Schwelle. Die jetzt entfernten Weichen stammen noch aus den 1970er-Jahren und gehörten zur Erstinstallation der S-Bahn München. Die gesamte Baustelle kostet knapp acht Millionen Euro.

Belüftung, Filterung und Überwachung als zentrale Schutzmaßnahmen

Arbeiten unter Tage bedeuten auch ein erhöhtes Gesundheitsrisiko. Drei Dieselbagger und mehrere Geräte erzeugen Abgase, und durch Bohren und Fräsen wirbeln feine Staubpartikel auf, die gefährlich für die Atemwege sind. Die Bahn hat daher ein umfangreiches Abluft- und Filtersystem installiert: Ein großer Lüfter wurde über fünf Tage eingebaut, und die abgesaugte Luft wird durch mobile Filtercontainer gereinigt, bevor sie in die Außenluft entlassen wird. Die Anlage reinigt nach Angaben der Verantwortlichen Hunderte Kubikmeter Luft pro Sekunde.

Zur Sicherheit aller Beschäftigten tragen alle Arbeiter Ortungstransponder. Ein provisorischer Leitstand auf der Grünfläche neben dem Isartor überwacht die Positionen von Personal und Geräten in Echtzeit. Kameras liefern zusätzliche Übersicht, Personen sind dabei aus Datenschutzgründen verpixelt zu sehen, betonen die Projektleiter.

Einsatz in Schichten und präzise Handarbeit

Auf einem schmalen Steg entlang der Gleise arbeiten die Kolonnen in Schichten rund um die Uhr. Eine Mannschaft aus Sachsen, so der leitende Bauleiter, habe während der Osterzeit im 24-Stunden-Betrieb gearbeitet. Vieles bleibt Handarbeit: Mit Meterstäben wird millimetergenau ausgerichtet, Schwellen werden per Bagger an ihren Platz gefahren und befestigt.

Projektleiter Emirhan Kutlu und Bauleiter Thomas Spindler betonen, dass die Arbeiten anspruchsvoll, aber sichtbar erfolgreich verlaufen. Ab Montag, 4 Uhr, soll die Stammstrecke wieder durchgängig befahrbar sein. Dennoch sind bis zum 17. April weitere Nachtsperrungen geplant. Zudem werden die Flughafen-S-Bahnen S1 und S8 vom 13. April 22:10 Uhr bis zum 17. April 5:00 Uhr nur bis Neufahrn beziehungsweise Ismaning verkehren; in diesen Abschnitten ist Bus-Ersatzverkehr eingerichtet.

Für viele Pendler bleibt die Baustelle ein spürbares Ärgernis, für die Bahn ein notwendiges Investment in die Zuverlässigkeit eines der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: merkur.de

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