Fahrdraht statt Diesel: Werratalbahn wird 2028 elektrifiziert und soll Emissionen senken
Elektrifizierung der Werratal-Strecke startet 2028 und soll Lärm sowie CO₂ deutlich reduzieren
Die Deutsche Bahn plant den Start der Elektrifizierungsarbeiten an der Güterbahn zwischen Gerstungen und Heimboldshausen für das Jahr 2028. Die Bauphase ist auf rund zwei Jahre angesetzt, Kostenpunkt: etwa 60 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm Elektrische Güterbahn. Die DB rechnet damit, dass die Strecke spätestens zu Beginn des Jahres 2030 vollständig für den Elektroverkehr ausgelegt ist.
Vertreter des DB-Projekts stellten die Pläne im Heringer Bürgerhaus vor. Im Mittelpunkt stehen das Setzen von Oberleitungsmasten und das Einziehen des Fahrdrahts entlang der knapp 19 Kilometer langen, eingleisigen Verbindung, die fast ausschließlich dem Güterverkehr dient. Rund 35 Züge rollen hier täglich und transportieren insbesondere Kali- und andere Schüttgüter sowie Container für das Werra-Kombi-Terminal.
Die Elektrifizierung ergänzt bereits laufende Maßnahmen der K+S-Standorte: Teile der werksnahen Gleisanlagen in Wintershall und Hattorf sollen ebenfalls mit Oberleitung ausgerüstet werden, damit Züge direkt mit Elektrolokomotiven übernommen werden können. Bestimmte Anschlussgleise bleiben dagegen unberührt, darunter die Grubenanschlussbahn Hattorf-Unterbreizbach.
Praktische Änderungen an der Infrastruktur betreffen vor allem das Kreuzungsbauwerk in Gerstungen. Dort wird ein Schaltposten errichtet, und das Gleisniveau muss an drei Stellen um rund 70 bis 80 Zentimeter abgesenkt werden, damit unter den Brücken genug Raum für die Oberleitung entsteht. Die Arbeiten werden in mehrere geplante Sperrpausen gebündelt, um den regulären Betrieb und die Werksabläufe bei K+S möglichst wenig zu stören.
Auf freier Strecke sollen die Abstandsmasten in Intervallen von 40 bis 70 Metern aufgestellt werden. Die bisherige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h bleibt erhalten; auch die Zugfrequenz ändert sich nach DB-Angaben nicht. Um die Sicherheit zu erhöhen, werden drei Bahnübergänge modernisiert und an einem weiteren Übergang Halbschranken installiert, da die vorhandene Sicherungstechnik nicht nachgerüstet werden kann. Für die Umbauten ist an den betroffenen Punkten mit einmonatigen Sperrungen des Kfz-Verkehrs zu rechnen.
Während der Bauzeit erwartet die DB ein temporär erhöhtes Lärmaufkommen. Um die Belastung für Anwohner zu verringern, sollen geräuscharme Baumaschinen, überwiegend Tagesarbeiten und schonende Fundamenttechniken in den Bahnhöfen zum Einsatz kommen. Nach Fertigstellung verspricht die Bahn geringere Geräusch- und Emmissionswerte: Elektrolokomotiven fahren leiser und stoßen kein lokales Diesel-CO₂ aus.
Die Oberleitung wird technisch so ausgeführt, dass Gefährdungen minimiert sind: Ein Sicherheitsabstand von drei Metern ist vorgesehen, Brücken erhalten Berührungsschutz und Erdungen, und an den Masten werden Vogsicherungen sowie Konstruktionen zum Schutz von Tieren angebracht. Nach DB-Angaben liegen die elektrischen Feldstärken deutlich unter den empfohlenen Grenzwerten.
Für die Bauarbeiten plant die Bahn entlang der Strecke temporäre Lager- und Umschlagplätze, unter anderem an den ehemaligen Ladestraßen der Bahnhöfe Heringen und Heimboldshausen. Die DB betont, dass der größte Teil der Mastenstandorte auf eigenem Gelände liegt und zusätzlicher Grunderwerb nur punktuell nötig wird. Die Linienführung der Strecke bleibt bestehen, ebenso die Stellwerke in Heringen und Heimboldshausen.
Lokale Behörden, Unternehmen und Anwohner können im laufenden Planrechtsverfahren Stellungnahmen einreichen. Die Deutsche Bahn strebt eine rechtskräftige Genehmigung bis 2028 an, um den Zeitplan für Baubeginn und Fertigstellung einzuhalten.

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