Bahnvorstand warnt vor Italo-Einstieg: Wettbewerb auf Kosten der Systemstabilität
Bahn sieht Italo-Einstieg als Risiko für Netzstabilität
Berlin — Im Gespräch mit der F.A.Z. beschreibt Michael Peterson, Vorstand für Fernverkehr der Deutschen Bahn, die Lage als dauerhaft belastet: Züge, die zu spät kommen oder ganz ausfallen, ein marodes Infrastrukturnetz und knappe Kapazitäten machten das System anfällig für neue Marktteilnehmer. Peterson betont zugleich, dass er grundsätzlich Wettbewerb nicht ablehne, er fordere aber faire Rahmenbedingungen und gleiche Spielregeln für alle Anbieter.
Der Vorstand nennt mehrere konkrete Probleme: gesperrte Strecken und Baustellen führten zu Umleitungen und Verspätungen, Engpässe bei Lokführern und Instandhaltungspersonal verschärften die Lage, und veraltete Stellwerke verlangsamten die Abläufe. Vor diesem Hintergrund bewertet Peterson den geplanten Markteintritt des italienischen Anbieters Italo als zusätzlichen Stressfaktor für ein ohnehin überbeanspruchtes Netz.
Peterson kritisiert ferner Sonderregelungen, die externen Betreibern Vorteile einräumen könnten. Solche Ausnahmen würden kurzfristig Wettbewerbsdruck erhöhen, langfristig aber das Gesamtsystem schädigen, weil sie die Planungssicherheit für Infrastrukturnutzung und Fahrplanstabilität untergrüben. Er fordert deshalb, dass neue Anbieter unter identischen Bedingungen wie die bestehende Bahninfrastruktur operieren müssen.
Die Debatte dreht sich auch um Investitionen: Ohne deutlich schnellere Modernisierung von Gleisen, Weichen und elektronischen Steuerungen bleibe die Leistungsfähigkeit begrenzt. Peterson warnt, dass ein Mehr an Anbietern ohne gleichzeitige Kapazitätsausweitung einfachen Wettbewerb in ein Systemrisiko verwandeln könne.
Abschließend macht der Vorstand deutlich, dass die Deutsche Bahn offen für Marktmechanismen sei, solange sie dem Gesamtsystem nicht schade. Die Diskussion um Italo zeige exemplarisch, wie sensibel das Gleichgewicht zwischen Wettbewerb, Infrastruktur und Verlässlichkeit sei.

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