Personalalarm bei der Deutschen Bahn: Gewalt treibt fast jeden dritten Beschäftigten in Kündigungsüberlegung
Fast jeder dritte Bahnmitarbeiter denkt über Kündigung nach
Eine Umfrage der Eisenbahn-Gewerkschaft EVG offenbart ein besorgniserregendes Bild: Immer mehr Mitarbeitende der Deutschen Bahn erwägen aufgrund zunehmender Gewalt in Zügen und Bussen ihren Arbeitsplatz aufzugeben. Als Hauptgrund nennen viele Befragte das steigende Gefühl von Unsicherheit im Berufsalltag.
Die Zahlen sind deutlich: Fast jeder dritte Befragte gibt an, über eine Kündigung nachzudenken. Zwei Drittel fühlen sich am Arbeitsplatz inzwischen unsicherer als früher, rund die Hälfte hat bereits körperliche Übergriffe erlebt. Unter den Beschäftigten mit Kundenkontakt berichten 85 Prozent von Beschimpfungen, Beleidigungen oder Bedrohungen.
Kristian Loroch, stellvertretender Vorsitzender der EVG, warnte vor den Folgen für den gesamten Bahnverkehr und forderte Politik und Unternehmensführung zum Handeln auf. «Die ausufernde Gewalt bringt das ganze System ins Wanken», sagte er und mahnte, dass ein massiver Personalverlust nicht kompensierbar sei. Ohne wirksame Maßnahmen drohten Versorgungsengpässe und Ausfälle bei Zügen und Bussen.
Die Debatte gewinnt zusätzliche Schärfe nach dem tödlichen Angriff auf einen Fahrkartenkontrolleur im Februar. Der Vorfall hatte landesweit Bestürzung ausgelöst und Forderungen nach besserem Schutz für Beschäftigte befeuert. Gewerkschaften fordern unter anderem mehr Personal und den verstärkten Einsatz von Teams bei Kontrollen, um das Risiko einzelner Alleingänge zu reduzieren.
Politisch bleibt die Lage kompliziert: Während Teile der Bahnsparten eine Priorisierung von Doppelbesetzungen befürworten, lehnen mehrere Bundesländer eine generelle Pflicht zu Zweierteams ab und fordern stattdessen zusätzliche Mittel vom Bund.
Ein Symbolbild zeigt einen Mitarbeiter der DB-Sicherheit am Hauptbahnhof Essen und verweist auf die konkrete Alltagserfahrung vieler Beschäftigter. Deutschlandweit wächst die Sorge, dass ohne entschlossenes Eingreifen nicht nur das Personal, sondern auch die öffentliche Mobilität Schaden nimmt.
Die EVG verlangt nun klare Schutzkonzepte, personelle Entlastung und eine stärkere politische Antwort auf die Sicherheitskrise im öffentlichen Nah- und Fernverkehr.

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