Evelyn Palla nach fast einem Jahr an der Spitze der Deutschen Bahn: Erfolge in Zahlen, offene Baustellen im Netz
Sanierung verzögert sich, Bilanz ist gemischt
Fast zwölf Monate nach ihrem Amtsantritt zieht Evelyn Palla eine nüchterne Zwischenbilanz: Finanzkennzahlen zeigen erste Stabilisierung, doch die Erneuerung des Schienennetzes wird deutlich länger dauern als geplant.
Die 52-jährige Managerin, gebürtige Südtirolerin, übernahm im Oktober 2025 einen Konzern, der unter Verspätungen, maroder Infrastruktur und hoher öffentlicher Erwartung litt. Unter Pallas Führung gelang es, operative Eckwerte zu verbessern und einige wirtschaftliche Signale zu setzen. Gleichzeitig musste sie an diesem Spätsommertag im 26. Stock der Zentrale in Berlin einräumen, dass die angekündigte Beschleunigung der Netzsanierung langsamer voranschreitet als erhofft.
Analysten sehen in den Zahlen ein erstes Indiz dafür, dass sich die Deutsche Bahn aus der schlimmsten Schieflage stabilisiert. Verbesserte Auslastungsquoten und strengere Kostensteuerung haben den Druck gemindert. Doch die infrastrukturellen Probleme – marode Oberleitungen, Gleisverschleiß und jahrelange Investitionsrückstände – verlangen nach längerfristigen Lösungen und höheren Investitionen als bislang vorgesehen.
In ihrer Ansprache betonte Palla sowohl die Erfolge als auch die Hürden. «Ich würde es jederzeit wieder machen», sagte sie zur eigenen Entscheidung, den Job anzutreten, und beschrieb die Arbeit als fortwährenden Kraftakt zwischen kurzfristiger Betriebsführung und langfristiger Sanierung. Zugreisende merken von einigen Fortschritten; viele Baustellen bleiben jedoch spürbar.
Politik und Aufsichtsbehörden fordern nun konkrete Zeitpläne und mehr Transparenz über Kosten und Prioritäten. Für Pendler und Fernreisende bedeutet die Verzögerung der Sanierung, dass Engpässe und Streckensperrungen länger zum Alltag gehören werden als ursprünglich angekündigt.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Pallas Strategie, operative Stabilität mit einem ambitionierten Investitionsfahrplan zu verbinden, trägt. Bis dahin bleibt die Bilanz ambivalent: solide in der Finanzsteuerung, unvollständig bei der Infrastrukturreparatur.
Berlin: In der Bundeshauptstadt, wo die Konzernzentrale liegt, fiel die Zwischenbilanz besonders deutlich aus. Für viele Regionen Deutschlands aber sind die Auswirkungen der Verzögerung unmittelbar spürbar, weil Baustellen und Ersatzkonzepte bundesweit greifen müssen.