Deutsche Bahn streicht Tempo bei Generalsanierungen und verschiebt Top-Verbindungen
Bahn und Bund verschieben zentrale Generalsanierungen bis weit nach 2031
Die Deutsche Bahn und das Verkehrsministerium haben den Zeitplan für die großangelegten Generalsanierungen deutlich entschärft. Statt der ursprünglich bis 2031 vorgesehenen 21 Korridorprojekte sollen nur noch 13 Strecken bis dahin umfassend erneuert werden. Die übrigen Maßnahmen werden auf unbestimmte Zeit verschoben, eine neue Priorisierung ist für das kommende Jahr angekündigt.
Ursprünglich galt das Ziel, alle rund 40 geplanten Sanierungen bis 2036 abzuschließen. Dieser Zeitplan ist nun aufgehoben, damit bleibt offen, wann die verbliebenen Projekte realisiert werden. Die Bahn und das Ministerium betonen, es würden keine Korridorsanierungen gestrichen, sondern verschoben, doch für Pendler, Güterverkehr und regionale Wirtschaft bedeutet die Entscheidung langfristige Planungsschwierigkeiten.
Welche Verbindungen betroffen sind
Besonders empfindlich fallen die Verschiebungen auf, weil einige stark genutzte Achsen auf spätere Jahre verschoben wurden. Zu den Strecken, deren Generalsanierung auf unbestimmte Zeit nach 2031 verlegt wurde, zählen unter anderem:
- Bremen – Bremerhaven
- Koblenz – Mainz
- Forbach (Moselle) – Ludwigshafen
- Stuttgart – Ulm
- Frankfurt – Heidelberg
- Mannheim – Karlsruhe
- Bremen – Hamburg
- Würzburg – Nürnberg
Andere Projekte, darunter Lehrte – Berlin und Hamburg – Hannover, sollen wie geplant beginnen. Die Bahn betont, dass nach einer Sanierung die Strecke möglichst bis zu zehn Jahre weitgehend frei von größeren baubedingten Einschränkungen bleiben soll. Konkrete Garantien für die Baufreiheit bleiben allerdings vage.
Warum der Kurswechsel?
Der Kurswechsel folgt auf Probleme bei bereits durchgeführten Sanierungen: Das zweite Großprojekt auf der Strecke Hamburg – Berlin wurde etwa sechs Wochen verspätet fertig, anschließend kam es zu massiven Verspätungen und Ausfällen. Generell hat die Pünktlichkeit im Fernverkehr trotz Sanierungen bisher nicht die erhoffte Trendwende gebracht; im ersten Halbjahr 2026 erreichten weniger als 60 Prozent der Fernzüge die Zielvorgabe für Pünktlichkeit.
Die neue Konzernchefin Evelyn Palla ließ in diesem Sommer das Sanierungskonzept grundlegend prüfen und setzte den bisherigen langfristigen Zeitplan aus. Parallel dazu fordert die Bahn zusätzliche Mittel, um die Arbeiten zu stemmen. Kritiker bemängeln, dass unzureichende Vorbereitung von Umleitungen und mangelhafte Kommunikation die Belastungen für Reisende und Güterverkehr verstärken.
Was Reisende jetzt wissen müssen
Für Fahrgäste bedeutet die Entscheidung vor allem Unsicherheit. Längere Bauphasen an einzelnen Abschnitten, Ausfälle und veränderte Fahrpläne bleiben möglich. Beispiele aus diesem Jahr zeigen, dass Sperrungen und Umleitungen zu erheblichen Mehrzeiten führen können – eine bauliche Sanierung kann kurzfristig zu längeren Reisezeiten führen, soll letztlich aber Stabilität bringen.
Die Bahn kündigt einen Neustart an und verspricht Verbesserungen; ob sich die Pünktlichkeit nachhaltig erhöht, hängt jedoch von der Finanzierung, besserer Baustellenplanung und der Abstimmung mit Wettbewerbern im Güterverkehr ab. Die Priorisierung der nach 2031 verschobenen Korridore soll 2027 festgelegt werden, einen verbindlichen Endtermin für alle Sanierungen gibt es derzeit nicht.
Stand: Bericht aus Berlin und bundesweite Angaben zu den betroffenen Trassen