Bundestag sichert 250 Millionen für Modernisierung der Bestandsstrecke Hamburg–Hannover
Schnelle Entlastung der stark belasteten Bestandsstrecke bis 2034 geplant
Der Bundestag hat ein Paket verabschiedet, das neben dem Neubau einer Trasse auch kurzfristige Instandsetzungsarbeiten an der bestehenden Strecke zwischen Hamburg und Hannover vorsieht. Ziel ist es, die Auslastung zu mindern und den Fahrbetrieb schneller und verlässlicher zu gestalten. Die Maßnahmen sollen spätestens bis 2034 umgesetzt werden; die Kosten beziffert der Bundestag auf rund 250 Millionen Euro, die der Bund tragen soll.
Die Maßnahmen ergänzen die für 2029 geplante Generalsanierung und umfassen sowohl betriebliche als auch bauliche Eingriffe, die zügig angegangen werden sollen, weil sie aus zeitlichen Gründen nicht mehr in die Sanierung 2029 aufgenommen werden konnten. Die Neubaustrecke bleibt davon unberührt, gleichwohl ist das Paket als Ganzes beschlossen worden.
Konkrete Eingriffe für mehr Lärm- und Störungsresistenz
Kurzfristig ist der Bau von mehr als acht Kilometern Lärmschutzwänden entlang stark belasteter Abschnitte vorgesehen. Geplant sind außerdem zusätzliche Überleitstellen und Weichen, um flexiblere Gleiswechsel bei Baustellen oder Störungen zu ermöglichen und so Zugausfälle zu reduzieren.
- Neubau von Lärmschutzwänden an mehreren Abschnitten
- Zusätzliche Überleitstellen in Regionen mit hoher Störanfälligkeit
- Wiederinbau von Weichen im Rangierbahnhof Maschen für mehr Betriebsflexibilität
Der Verkehrsausschuss betont, dass bestehende Fernverkehrshalte auf der Bestandsstrecke erhalten bleiben sollen.
Kein drittes Gleis vorerst, aber keine endgültige Absage
Ein geplantes drittes Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen wird mit der aktuellen Entscheidung zunächst nicht umgesetzt. Der Verkehrsausschuss argumentierte, dass ein einzelnes drittes Gleis den Engpass nicht lösen und den Deutschlandtakt nicht ermöglichen würde. Die Beschlüsse sehen jedoch vor, die laufenden Arbeiten so auszuführen, dass ein späterer dreigleisiger Ausbau nicht verhindert wird.
Kapazitätsgewinne durch punktuelle Technik- und Infrastrukturverbesserungen
Um die Auslastung zu reduzieren — zuletzt lag die Strecke bei etwa 147 Prozent — sind verschiedene Eingriffe geplant: Umgestaltung der Gleisanordnung in Winsen, schnellere Gleiswechsel in Stelle, sowie zusätzliche Weichen im Rangierbahnhof Maschen. Das digitale ETCS-Signalstellungs-System soll bei der Generalsanierung 2029 vorgesehen werden, um engere Fahrpläne zu ermöglichen und Planungssicherheit für Verkehrsunternehmen zu schaffen.
Bahnhöfe als Engstellen mit Priorität
Besondere Priorität erhalten die Knotenpunkte Hamburg und Hannover: Kreuzungs- und Überwerfungsbauwerke sollen so geplant werden, dass sie mit der Inbetriebnahme der Neubaustrecke fertiggestellt sind. Für 2029 ist eine sechswöchige bis sechsmonatige Sperrung der Strecke vorgesehen, um umfassende Arbeiten durchzuführen.
- Zweigleisigkeit am Nordkopf bzw. Westseite in Lüneburg
- Reaktivierung von Gleis 141 in Lüneburg
- Dreigleisigkeit der Eisenbahnüberführung Altenbrückertorstraße
- Überholgleis in Bienenbüttel und neue Überleitstellen in Lüneburg West und Emmendorf
- Verlängerung von Bahnsteigen sowie neue Bahnsteigkapazitäten in Uelzen
Politische Reaktionen: Lob und Kritik
Niedersachsens Verkehrsminister sieht in den Beschlüssen die Notwendigkeit schneller Verbesserungen und fordert weitere Schritte. Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne äußerte jedoch, die Maßnahmen reichten nicht aus, um die langfristigen Anforderungen auf der Bestandsstrecke zu erfüllen. Die CDU-Abgeordnete aus dem Landkreis Harburg begrüßte die Finanzierungssicherheit und kündigte an, weiter für ein drittes Gleis zu kämpfen.
Insgesamt bleibt das Paket eine Mischung aus kurzfristig wirksamen Eingriffen und Vorbereitungen für mögliche spätere Ausbauvarianten. Die geplanten Maßnahmen sollen sowohl die aktuelle Belastung mindern als auch die Voraussetzung für einen engeren Takt und eine zuverlässigere Verbindung zwischen den Metropolen schaffen.