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Generalsanierung der Bahn bringt Logistiker an den Rand der Existenz

10. März 2026

Sanierungsverzug an wichtiger Güterstrecke setzt Unternehmen und Selbstständige unter Druck

Berlin/Hamburg — Die geplante Wiederfreigabe der Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg Ende April 2026 wird nicht stattfinden. Die Deutsche Bahn hat die Bauarbeiten wegen widriger Witterungsbedingungen verlängert, und die Verlängerung trifft vor allem kleine Eisenbahnverkehrsunternehmen und selbstständige Lokführer hart.

Für Michael Hintz, ein selbstständiger Lokführer aus Wittenberge, ist die Sperrung existenzbedrohend. Hintz berichtet, dass ihm durch den Ausfall der Hauptstrecke fast zwei Drittel seines Umsatzes verloren gingen, weil viele Anschlussstrecken nicht mehr erreichbar sind. Sein Terminkalender zeigt derzeit nur einzelne Aufträge, der finanzielle Puffer, ursprünglich für neun Monate geplant, schrumpft.

Auch größere private Güterverkehrsunternehmen spüren die Folgen: Umleitungen über Bremen, Hannover oder Magdeburg verlängern Laufzeiten und erhöhen Personal- sowie Energieaufwand. Peter Westenberger vom Verband Die Güterbahnen/Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) weist darauf hin, dass längere Fahrzeiten und zusätzliche Wagenkosten die Margen weiter drücken und die ohnehin fragile Stabilität des Schienengüterverkehrs gefährden.

Der Bundesverband Spedition und Logistik DSLV warnt davor, dass viele Verlader kurzfristig auf Lkw umgestiegen sind und nicht automatisch zur Schiene zurückkehren werden, wenn die Gleise wieder frei sind. Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des DSLV, betont, dass Lieferketten, die während der Sperrphasen auf Straße umgestellt wurden, nicht per Knopfdruck umkehrbar sind.

Die Zahlen zur Verlagerung auf die Straße sind lückenhaft, doch ein langfristiger Trend ist erkennbar: Von 150 Milliarden Tonnenkilometern im Jahr 2022 sank das Transportvolumen per Güterbahn bis 2024 auf 134 Milliarden. Unkoordinierte oder verzögerte Bauarbeiten dürften diesen Rückgang weiter verstärken und das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Schiene mindern.

Die Bahn hat angekündigt, dass Bahnchefin Palla am 13. März einen aktualisierten Zeitplan nennen wird. Eine Verlängerung der Arbeiten auf der Strecke Berlin–Hamburg könnte weitere Großprojekte beeinflussen, etwa die geplanten Bauarbeiten auf der Verbindung Hamburg–Hannover, deren Beginn bereits an andere Zeitpläne gekoppelt ist. Ohne verlässliche Planungssicherheit stehen sowohl große Logistiker als auch Einzelunternehmer vor schweren wirtschaftlichen Belastungen.

Die Forderung aus der Branche ist klar: mehr Zuverlässigkeit und bessere Koordination der Bauphasen. Andernfalls droht ein gegenteiliger Effekt zu den politischen Zielen, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern — die Sanierung könnte den Schienengüterverkehr langfristig schwächen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: tagesschau.de

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