Deutsche Bahn trennt sich offenbar von Finanzvorständin Karin Dohm nach nur drei Monaten
Finanzvorständin soll nach nur drei Monaten aus Vorstand ausscheiden
Düsseldorf. Die Deutsche Bahn steht vor einem überraschenden Personalwechsel: Karin Dohm, erst Anfang Dezember als Finanzvorständin an Bord gekommen, soll den Konzern vorzeitig verlassen, wenn der Aufsichtsrat dem Vorschlag der Vorstandsvorsitzenden Evelyn Palla zustimmt. Medien hatten den Vorgang zuerst öffentlich gemacht.
Auslöser des Zerwürfnisses war eine Entscheidung Dohms im Dezember: Sie erließ eine Gesellschafterweisung, mit der die Konzerntochter DB Services, die unter anderem für die Zugreinigung zuständig ist, auf verschiedene Geschäftsfelder verteilt werden soll. Die Maßnahme erfolgte ohne vorherige Abstimmung mit dem Konzernbetriebsrat. Rechtlich stand ihr dieses Weisungsrecht zu, doch nach Angaben von Arbeitnehmervertretern hat das Vorgehen das bisher vergleichsweise harmonische Verhältnis zwischen Management und Betriebsräten empfindlich belastet.
Ein Arbeitnehmervertreter sagte dazu: «Rein rechtlich stand ihr in diesem Fall ein solches Weisungsrecht zu. Die Gesellschafterweisung ist aber die schärfste Waffe des Arbeitgebers, um an der Mitbestimmung vorbei zu entscheiden.» Kritiker sehen in der schnellen, unilateral vollzogenen Anordnung einen Bruch mit der etablierten Unternehmenskultur und eine Gefährdung des sozialen Friedens im Konzern.
Die Entscheidung, Dohm zu entlassen, würde den Führungsstil von DB-Chefin Evelyn Palla unterstreichen und signalisiert, dass die Unternehmensführung bei inneren Konflikten schnell durchgreifen will. Zugleich wirft der Vorfall Fragen nach dem Umgang mit Mitbestimmung, künftigen Restrukturierungen und den Auswirkungen auf laufende Transformationsprojekte der Bahn auf.
Voraussichtlich wird der Aufsichtsrat über das vorzeitige Vertragsende entscheiden. Bis dahin bleibt offen, welche personellen und strategischen Folgen der Vorgang für die weitere Arbeit des Vorstands und die Beziehungen zur Belegschaft haben wird.
Hintergrund: Karin Dohm ist 53 Jahre alt und trat ihr Amt als Finanzvorständin Anfang Dezember an. Die Gesellschafterweisung betrifft zentrale Bereiche der Service- und Betriebsgesellschaften der Bahn und hat damit unmittelbare Auswirkungen auf Betriebsabläufe und Beschäftigungsfragen.
Ausblick: Sollte der Aufsichtsrat der personellen Veränderung zustimmen, beginnt für die Deutsche Bahn eine Phase, in der Vertrauen zwischen Management und Betriebsräten wiederhergestellt werden muss. Beobachter erwarten nun intensive Debatten über Mitbestimmung, Führungsstil und die Zukunft der Konzerntochterstrukturen.

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