Alarm im Nah- und Fernverkehr: Hälfte der Bahnmitarbeitenden berichtet von körperlichen Übergriffen
Bahnmitarbeitende berichten von wachsender Angst und Gewalt im Dienst
Berlin — Eine aktuelle Umfrage der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft zeigt eine deutliche Verschlechterung des Sicherheitsgefühls bei Beschäftigten im öffentlichen Verkehr. Zwei Drittel der Befragten geben an, sich heute unsicherer zu fühlen als noch vor einigen Jahren.
Mehr als 4100 Mitgliedern mit Kundenkontakt in Nahverkehr, Fernverkehr, Bussen und an Bahnhöfen wurde zwischen Mitte Dezember und Mitte Februar die Frage nach Gewalt- und Aggressionserfahrungen gestellt. Die Ergebnisse sind alarmierend: Rund die Hälfte aller Befragten hat bereits einen körperlichen Übergriff erlebt, 85 Prozent melden verbale Anfeindungen. Für viele Beschäftigte sind Beleidigungen und Herablassung inzwischen Alltag.
Die Folgen sind gravierend: Ein Drittel der Befragten denkt laut Umfrage über einen Berufswechsel nach. Die Gewerkschaft warnt, dass ein massiver Personalabgang das System Bahn erheblich belasten könnte.
Sicherheitsbedarf und fehlende Technik
Bei mehr als der Hälfte der Beschäftigten fehlt laut Umfrage eine Notrufoption des Arbeitgebers. Besonders im Busverkehr ist der Handlungsdruck hoch: 86 Prozent der Busfahrenden wünschen sich Notrufmöglichkeiten, 89 Prozent geschützte Arbeitsbereiche wie Sicherheitsscheiben, und 91 Prozent halten Videoüberwachung für notwendig.
Politische Reaktionen und konkrete Maßnahmen
Nach einem Sicherheitsgipfel von Bund, Ländern und der Bahn wurden Maßnahmen angekündigt: Noch in diesem Jahr sollen alle kundennahe Mitarbeitenden auf freiwilliger Basis mit Bodycams ausgestattet werden. Zudem plant die Bahn, zusätzliche Mitarbeitende einzustellen, die in Bahnhöfen und Zügen verstärkt patrouillieren sollen.
Auslöser des Handlungsdrucks
Der Sicherheitsgipfel folgte auf einen schweren Vorfall Anfang Februar: Ein Zugbegleiter wurde bei einer Kontrolle schwer verletzt und starb wenig später. Der Fall hat eine Debatte über Schutzkonzepte und Prävention neu entfacht und verstärkt die Forderungen nach kurzfristig umsetzbaren Schutzmaßnahmen für Mitarbeitende im Kundenkontakt.
Die Umfrageergebnisse zeichnen ein Bild von wachsender Belastung und einem Arbeitsplatz, der für viele Beschäftigte zunehmend an Attraktivität verliert. Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaften stehen nun vor der Aufgabe, kurzfristig spürbare Sicherheitsstandards zu etablieren, um weiteren Personalverlust zu verhindern und das Vertrauen der Mitarbeitenden wiederherzustellen.

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