Sternbrücke freigegeben: Viergleisiger Neubau macht Hafenstadt wieder schienentaktfähig
Viergleisiger Neubau bringt wieder deutlich mehr Zugverkehr
In Hamburg sind nach monatelanger Bauzeit die ersten Züge über die neue Sternbrücke gerollt. In den frühen Morgenstunden passierten zunächst Regionalzüge, kurz darauf Fernzüge und S-Bahnen das 3 700 Tonnen schwere Stahlbauwerk, das nun vier Gleise für den dichten Verkehr zwischen Altona und dem Hauptbahnhof bietet.
Als erster Zug überquerte gegen 4.15 Uhr ein Regionalexpress aus Kiel die neue Brücke, wenig später folgte ein Fernzug in Richtung Basel und um 4.35 Uhr befuhr die S5 die neue Strecke Richtung Hauptbahnhof. Janna Widmaier, Projektleiterin der Deutschen Bahn für das Bauvorhaben, zeigte sich erleichtert und sagte «Hier ist alles planmäßig gelaufen». Das Projekt stand unter hohem Zeitdruck und stellte das Team vor mehrere technische Herausforderungen, die jedoch gemeistert wurden.
Rund 900 Züge pro Tag auf vier Gleisen
Mit dem viergleisigen Neubau rollt auf der Strecke wieder deutlich mehr Verkehr: Tagsüber werden nun rund 900 Züge pro Tag erwartet. Die Brücke ist deutlich größer und schwerer als ihr Vorgänger, was die Bedeutung des Bauvorhabens für den nationalen und internationalen Bahnverkehr unterstreicht.
Bauarbeiten dauern an, Straßen bleiben gesperrt
Trotz der erfolgreichen Inbetriebnahme sind noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen. Die Bahn verlängerte die Sperrpause wegen Problemen mit den Oberleitungen um zwei Wochen, und unterhalb der Brücke bleiben Straßen weiterhin gesperrt. Die Stresemannstraße soll nach aktueller Planung ab dem 7. September wieder frei gegeben werden, die Max-Brauer-Allee folgt zu einem späteren Zeitpunkt. Ursache sind unter anderem unerwartet umfangreiche Erdarbeiten: Am Bahndamm mussten rund 10 000 Tonnen mehr Boden ausgetauscht werden als ursprünglich veranschlagt.
Neubau ersetzt 100 Jahre alte Brücke
Die neue Sternbrücke ersetzt ein Bauwerk aus dem Jahr 1926. Der Austausch war nötig, weil die alte Brücke den heutigen Anforderungen an leistungsfähigen Schienenverkehr nicht mehr genügte. Der Einbau der neuen Brücke im Sommer zog viele Schaulustige an: Ende Juli wurde das 108 Meter lange Bauwerk Zentimeter für Zentimeter an den Einbauort gefahren, teils nur 40 Zentimeter an Wohngebäuden vorbei.
Die Arbeiten werden nun schrittweise abgeschlossen, gleichzeitig beginnen an anderen Stellen in der Stadt neue Großbaustellen. Die Inbetriebnahme der Sternbrücke markiert für viele Pendelnde und Fernreisende in Hamburg einen wichtigen Meilenstein, auch wenn Anwohnerinnen und Anwohner die Dimension des Neubaus weiterhin kritisch sehen.