Korridore neu justiert: Deutsche Bahn priorisiert Sanierungen und plant schrittweise Wiederinbetriebnahme
Deutsche Bahn priorisiert Sanierungsprojekte neu, um Qualität und Zuverlässigkeit zu stärken
Die Deutsche Bahn will ihr Konzept für die umfassenden Korridorsanierungen überarbeiten. Nach Verzögerungen, höheren Kosten und anhaltenden Pünktlichkeitsproblemen hat Konzernchefin Evelyn Palla eine Neubewertung angekündigt. Ziel ist es, finanzielle und personelle Ressourcen stärker auf Maßnahmen zu konzentrieren, die die größte Wirkung für Fahrgäste und Güterverkehr erzielen.
Im Kern sieht der überarbeitete Ansatz drei Schwerpunkte vor:
- Prüfung von Umfang und Anzahl der Projekte und eine Neusortierung nach Priorität und Effekt auf das Netz
- Bessere zeitliche Abstimmung der Bauphasen, um Überschneidungen von Sperrungen in wichtigen Korridoren zu vermeiden
- Vorbereitung der Strecken für eine spätere Digitalisierung mit der europäischen Zugsicherung ETCS und schrittweise, realistisch geplante Inbetriebnahmen
Die Bahn plant laut internen Angaben, sanierte Abschnitte künftig nicht mehr auf einen Schlag, sondern stufenweise wieder in Betrieb zu nehmen. Insbesondere bei sensibler Leit- und Sicherungstechnik sollen Tests, Abnahmen und Inbetriebnahmen realitätsnäher terminiert werden, um wiederholte Nacharbeiten zu vermeiden. Zugleich soll klarer definiert werden, wie lange eine Strecke nach einer Generalsanierung von weiteren Bauarbeiten verschont bleibt.
Konkrete Gründe für die Überprüfung sind zuletzt sichtbare Rückschläge: Die Wiederinbetriebnahme der Strecke Hamburg–Berlin verzögerte sich nach winterlichen Bauunterbrechungen, und auf Teilen der frisch sanierten Korridore lag die Pünktlichkeitsquote deutlich unter Erwartungen. Auch die Strecke Nürnberg–Regensburg nahm den Betrieb mit Verzögerungen wieder auf. Zudem kritisieren Vertreter von Wirtschaft und Politik, etwa im Zuge des Niedrigwassers am Rhein, dass laufende Bauarbeiten die Verlagerung von Gütern auf die Schiene erschweren.
Verkehrsminister Steffen Bilger bewertete die Überprüfung positiv und forderte messbare Verbesserungen: «Nach der Sanierung einer Strecke muss diese messbar besser funktionieren als vorher und es darf nicht kurzfristig zu erneuten Baumaßnahmen kommen.» Ob und welche Projekte gestrichen, gestreckt oder umpriorisiert werden, bleibt offen. Die Bahn will in den kommenden Wochen konkrete Anpassungen vorstellen.
Für Betreiber, Logistikunternehmen und Pendler bedeutet die Neubewertung Unsicherheit über Zeitpläne, aber auch die Aussicht auf zielgerichtetere Investitionen. Ob die Reformen die langfristige Zuverlässigkeit des Schienennetzes deutlich verbessern, hängt nun von der Umsetzung, der Koordination mit anderen Bauvorhaben und einer stringenten Prüfprozedur für die digitale Infrastruktur ab. Die Debatte spielt deutschlandweit und betrifft viele der bisher als besonders dringlich eingestuften Korridore, etwa Verbindungen im Norden, in Bayern und am Rhein.