Deutsche Bahn drosselt Tempo der Generalsanierungen und verschiebt Zeitplan
Bahn reduziert jährliche Generalsanierungen und muss Zeitplan anpassen
Berlin, 10.09.2026 — Die Deutsche Bahn will künftig deutlich seltener komplette Korridorsanierungen pro Jahr durchführen als ursprünglich geplant. Vorstandschefin Palla erklärte in Berlin, dass vier großangelegte Sanierungen pro Jahr sich als zu ambitioniert erwiesen hätten und künftig vermutlich nur noch zwei, in Ausnahmefällen drei, solcher Generalsanierungen umgesetzt werden sollen.
Hintergrund sind Erfahrungen aus den ersten Großbaustellen, begrenzte Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes und die Erkenntnis, dass vier gleichzeitige Großprojekte die Netzkapazität zu stark einschränken. Palla betonte, dass das überarbeitete Konzept derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt werde und bald vorgestellt werden solle. Konkrete Jahreszahlen nannte sie nicht.
Das Programm sieht vor, rund 40 ausgewählte Strecken grundlegend zu überholen und dafür mehrmonatige Vollsperrungen in Kauf zu nehmen, um im Anschluss lange Baufreiheit zu erreichen. Ursprünglich war das Ziel, die Arbeiten innerhalb der 2030er-Jahre abzuschließen; zuletzt war 2036 als Ziel genannt worden. Durch die Reduzierung der jährlichen Sanierungen könnte sich dieser Zeitplan jedoch weiter nach hinten verschieben.
Auswirkungen auf Fahrgäste und Netzbetrieb
Palla räumte ein, dass die Balance zwischen Bauen und Fahren besser gelingen müsse. Entscheidend sei, Korridorsanierungen geografisch und zeitlich so zu legen, dass das Gesamtnetz nicht zu sehr belastet werde. Notwendig sei zudem, Umleiterstrecken vor Beginn der Arbeiten entsprechend zu ertüchtigen, damit Fahrgäste nicht noch stärkeren Einschränkungen ausgesetzt sind.
Die Kritik, dass auch bereits sanierte Strecken wie die Verbindung zwischen Berlin und Hamburg weitere Störungen aufweisen, nahm Palla auf. Sie forderte ein neues Erwartungsmanagement und präzisere Leistungsversprechen: «In welchem Ausmaß wollen wir die Störfälle auf der dann sanierten Strecke reduzieren und welche Baufreiheit garantieren wir?»
Finanzierung und Folgen für die Tarif- und Konzernpolitik
Bei der Entscheidung spielt die Höhe der verfügbaren Mittel aus dem Sondervermögen eine zentrale Rolle. Palla machte deutlich, dass die Anzahl der jährlichen Korridorsanierungen an das Finanzierungsvolumen angepasst werde. Zugleich verwies sie auf Maßnahmen, mit denen die Bahn die Kommunikation mit Fahrgästen verbessern und Züge sauberer betreiben will, unter anderem durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Konzern wieder einen Gewinn im dreistelligen Millionenbereich, nachdem 2025 ein hoher Verlust verbucht worden war. Gleichwohl bleiben Verzögerungen und Kostensteigerungen bei einzelnen Projekten ein Problem, das Fahrgäste und Politik gleichermaßen fordert.
Die Entscheidung der Bahn führt zu einer Perspektive mit weniger jährlichen Großsperren, aber womöglich längerer Gesamtdauer für die Modernisierung wichtiger Verkehrsachsen. Wie sich das auf Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit in den kommenden Jahren auswirkt, wird auch von der Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium und von den bereitgestellten Mitteln abhängen.