Bahnchefin Palla sieht Lösung nahe, macht Infrastruktur für Ausfälle verantwortlich
Pünktlichkeit der Fernzüge kurzfristig steigerbar, doch kaputte Infrastruktur setzt Grenzen
Berlin — Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn hat in einem Gespräch offen erklärt, dass deutlich mehr Pünktlichkeit erreichbar wäre, wenn die Schienen nicht massiven Reparaturbedarf hätten. Zugausfälle und Verspätungen seien nicht allein eine Frage von Personalmotivation, sagte sie, sondern hingen wesentlich mit der Substanz der Infrastruktur zusammen.
Bei einem Gespräch mit Journalistinnen und Journalisten berichtete sie auch von ihrer eigenen Fahrt: Ihr Zug kam vergangene Woche rund 20 Minuten zu spät, Zeit, die sie genutzt habe, um Mails zu beantworten. Mit dieser persönlichen Erfahrung unterstrich sie, dass Verzögerungen Alltag sind, auch für die Spitze des Unternehmens.
Die Bahnchefin verwies auf ein Rekordbaujahr mit etwa 28 000 Baustellen bundesweit. Diese Zahl zeige, wie stark das Netz derzeit beansprucht und zugleich geschwächt sei. Solange Gleise, Stellwerke und Brücken in großem Umfang instand gesetzt werden müssten, blieben Fahrpläne anfällig gegen Störungen.
Neue Anreize für Mitarbeitende sollen Pünktlichkeit stärken
Als einen wichtigen Hebel nannte sie neue Leistungsanreize für die Belegschaft. Ziel sei es, Abläufe an Bord und im Betriebsdienst effizienter zu machen und Verantwortung klarer zu belohnen. Konkrete Details zu Bonussystemen oder Messgrößen nannte sie nur skizzenhaft; viele Vereinbarungen müssten mit Betriebsräten und Tarifpartnern abgestimmt werden.
Experten sehen in solchen Anreizen nur einen Teil der Lösung. Kurzfristig könnten Motivation und bessere Prozesse helfen, doch mittelfristig entscheide die Qualität der Infrastruktur über Zuverlässigkeit und Kapazität des Angebots. Die Herausforderungen für 2026 bleiben nach Einschätzung der Bahnspitze hoch, solange umfangreiche Bauarbeiten und Sanierungen anstehen.
Die Unternehmensführung betonte, dass trotz der Probleme weiter massiv in Erhalt und Ausbau investiert werde. Die Balance zwischen laufendem Verkehr und notwendigen Baumaßnahmen sei schwierig: Mehr Baustellen bedeuten kurzfristig Einschränkungen, langfristig aber ein stabileres Netz.
Die Ankündigung, mit Leistungsanreizen die Pünktlichkeit zu verbessern, ist Teil einer größeren Strategie, die Betriebseffizienz zu steigern und gleichzeitig den drängenden Investitionsstau zu adressieren. Ob diese Mischung aus kurzfristigen Maßnahmen und langfristigen Bauprogrammen ausreicht, um die Erwartungen vieler Fahrgäste zu erfüllen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.